Welche Bedeutung Europa für den Wintersport hat

Vom 23. bis 26. Mai wurde in 28 europäischen Staaten ein neues Europaparlament gewählt. Ob Brexit, die Ibiza-Affäre, Fridays for Future, oder Artikel 13: Die Europawahl und die damit verbundenen Themen haben die Nachrichten der vergangenen Wochen bestimmt und sie werden uns noch einige weitere Wochen beschäftigen. Nun stehen die Ergebnisse fest und in Deutschland richtet sich der Blick vor allem auf den großen Wahlerfolg der Grünen. Europaweit zeichnet sich jedoch ein weniger eindeutiges Bild. Es stellt sich die Frage, welchen Einfluss der Ausgang der Europawahl auf den Wirtschaftsfaktor Winter- und Skitourismus hat. Der Versuch einer Einordnung:

Aber was hat Europa überhaupt mit uns Skifahrern zu tun?

Am deutlichsten zeigt sich der Einfluss Europas wohl an den Alpen, dem für den Skisport bedeutendsten Gebirge des Kontinents. Schon lange vor der EU und ihren Vorgängerorganisationen waren die Alpen eine Region die eine Schlüsselrolle im Verhältnis zwischen den Nationen der Anrainerstaaten gespielt hat. Sowohl im Positiven als auch im Negativen. Handelswege über Pässe, wie den Großen Sankt Bernhard oder den Brenner, verbanden schon im Mittelalter den nördlichen und den südlichen Teil Europas und ermöglichten wirtschaftlichen wie kulturellen Austausch. Andererseits waren die Alpen auch Schauplatz erbitterter Kämpfe, wenn man an die Gebirgsschlachten in den Dolomiten während des 1. Weltkrieges denkt. Noch heute sind die Spuren dessen zu besichtigen. Jedem Wanderer oder Skifahrer sollten sie eine Warnung sein.

Soldatenfriedhof am Karnischen Höhenweg

In der Nachkriegszeit nahm dann der Tourismus eine immer größer werdende Rolle ein. Was langsam anfing, nahm in den 60er und 70er Jahren richtig Fahrt auf. Einst verträumte und nicht selten verarmte Täler verwandelten sich in große Skidestinationen. Die Menschen konnten sich wieder mehr leisten und verbrachten ihren Winterurlaub in den Alpen. Immer mehr Lifte entstanden. Die Alpen sind heute das am dichtesten erschlossene Hochgebirge der Welt.

Mit Gründung der Europäischen Gemeinschaft und später der Europäischen Union, nahm diese natürlich auch Einfluss auf den Wintertourismus in den Alpen.

Eine wesentliche Voraussetzung für den Erfolg dieses Wirtschaftszweiges ist vor allem der Europäische Binnenmarkt mit seinen vier Grundfreiheiten, dem freien Warenverkehr, der Personenfreizügigkeit, der Dienstleistungsfreiheit und dem freien Kapital- und Zahlungsverkehr. Gerade der grenzüberschreitende Tourismus profitiert von diesem enorm.

Wo auf der einen Seite der wirtschaftliche Erfolg steht, stehen auf der anderen Seite aber auch Eingriffe in sensible Bergregionen. Eine multinationale Zusammenarbeit findet sinnvollerweise also auch beim Thema Natur- und Umweltschutz statt.

Seit November 1991 gibt es zwischen den Alpenanrainerstaaten untereinander und der Europäischen Union mit der Alpenkonvention einen Staatsvertrag, der diese Dinge regeln soll. Inhaltlich besteht dieser aus verschiedenen Protokollen. Z.B. auch aus den für den Skitourismus wichtigen Protokollen „Naturschutz- und Landschaftspflege“ sowie „Tourismus“. Diese geben den Rahmen vor, an die sich die einzelnen Unterzeichnerstaaten möglichst halten sollen. Leider wurden die Protokolle bis heute noch nicht von allen Staaten unterzeichnet. Sowohl in der Schweiz als auch in Italien gibt es zu den einzelnen Punkten noch Klärungsbedarf. Sie haben die Protokolle noch nicht ratifiziert.

Ob Großskigebiete wie Ischgl den Geist der Alpenkonvention atmen, ist fraglich.

Am Beispiel der Schweiz zeigt sich aber auch, dass sich die europäische Zusammenarbeit nicht nur auf die Europäische Union beschränkt. So ist die Schweiz 2004 dem Schengener Abkommen beigetreten. Dieses Übereinkommen erleichtert den Reisenden schon seit 1995 den Grenzübertritt durch die grundsätzliche Abschaffung von Grenzkontrollen im Schengenraum. Viele werden sich noch an die Zeiten erinnern, als man an den Grenzen regelmäßig im Stau stand. Diese sind zum Glück längst vergessen. Nur 2015/2016 als Bayern vor dem Hintergrund der Flüchtlingskrise wieder Grenzkontrollen einrichtete, kamen diese unangenehmen Erinnerungen wieder hoch. Ein Ärgernis das wohl niemand auf Dauer hinnehmen möchte.

Offene Grenzen sind aber nicht alles. Ein weiteres mal kann man die Schweiz bemühen, um die Bedeutung der (richtigen) Währung für den Tourismus aufzuzeigen. Aus touristischer Sicht ist der starke Schweizer Franken mittlerweile ein Fluch. Die Schweiz ist umgeben von Euro-Staaten und hat seit jeher viele Gäste aus diesen Ländern begrüßen können. Seit dem Kursverfall des Euros im Jahre 2007 gehen die Gästezahlen aus diesen Ländern zurück. Viele Gäste können und wollen sich die Schweiz nicht mehr leisten. Schweizer Skigebiete müssen sich viel einfallen lassen um diesem Trend entgegenzuwirken. Eine Zeit lang haben es die Bergbahnen damit versucht, den Wechselkurs auf die Skipässe auf eigene Faust einzufrieren. Die Differenz haben sie aus eigener Tasche gezahlt. Man hoffte damals, dass sich der Euro schnell wieder erholen würde. Als sich diese Hoffnung zerschlug, ging man andere Wege. Etwa in Saas-Fee, wo man 2016 den Jahresskipass für unglaubliche 222 Franken anbot und damit einen Preiskampf entfachte der Beispiellos ist. Aber auch diese Strategie muss mittlerweile als gescheitert angesehen werden. Die Kosten für die Aktion waren zu hoch und die Verkäufe gingen über die letzten beiden Jahre zurück. Im nächsten Winter wird es das Angebot so nicht mehr geben.

Stattdessen sieht man auf den Parkplätzen italienischer oder österreichischer Skigebiete immer mehr Autos mit schweizer Nummernschildern. Für die, mit hoher Kaufkraft gesegneten, Schweizer, werden Ausflüge in die Nachbarländer immer attraktiver. Was den Einzelnen freuen mag, gibt schweizer Touristikern Anlass zur Sorge. Die erfindungsreichen Schweizer werden sich hier etwas einfallen lassen müssen.

Mein Auto an der Passstraße zum Bödele im Bregenzer Wald. Den Parkraum muss man sich hier mit immer mehr Schweizern teilen.

Für sie hat es in einigen Angelegenheiten aber auch Vorteile, nicht Mitglied der Europäischen Union zu sein. Eine Streitfrage, die sich nun schon über einige Jahre hinzieht, können sie entspannt aus der Ferne betrachten: es geht um die sogenannten Einheimischenrabatte. Viele Wintersportgebiete räumen Einheimischen bis heute teils erhebliche Rabatte auf den Kauf von Skipässen ein. Wer Einheimischer ist, wird dabei oft recht unterschiedlich definiert. Das reicht vom Bewohner eines bestimmten Dorfes bis zu allen Einwohnern eines Bundeslandes oder Kantons. Auch bei Schweizer Skiliftbetreibern eine eingeübte Praxis. Innerhalb der Europäischen Union wird diese aber mittlerweile durch die Dienstleistungsrichtlinie begrenzt. Sie verbietet Diskriminierungen von Dienstleistungsempfängern aufgrund deren Staatsangehörigkeit oder Wohnsitz. Das hindert einige Bergbahnen bzw. Bergbahnzusammenschlüsse allerdings nicht, diese, auch in nationales Recht umgesetzte Richtlinie, mit fragwürdigen Begründungen zu umgehen. So stellen sich viele Betreiber in Österreich auf den Standpunkt, dass es sich um eine Verkehrsdienstleistung handeln würde, welche vom Anwendungsbereich der Richtlinie ausgeschlossen sei. Es bleibt abzuwarten wie sich dieser Konflikt entwickelt. In jedem Fall zeigt es den großen Einfluss der EU auf verschiedenste Bereiche des Wintertourismus.

Die Europäisierung des Wintertourismus wird auch von privater Seite immer weiter vorangetrieben. Zur nächsten Saison steht mit snowpass.com ein länderübergreifender Großraumskipass für Skigebiete in 9 Ländern in den Startlöchern. Neben den Alpenländern umfasst er sogar Skigebiete aus Portugal, Spanien, und Polen. Bisher halten sich die großen Skigebiete bei der Teilnahme an diesem Skipass noch zurück. Er umfasst vor allem die kleineren und mittelgroßen Skigebiete. Falls die Idee aber in der ersten Saison genug Skifahrer überzeugen sollte, darf man gespannt sein, wer sich in den kommenden Jahren diesem Projekt anschließen wird. Momentan ist der Pass wohl noch etwas für Individualisten.

Eine Chance für die Völkerverständigung ist er aber allemal. Schon in den klassischen Alpendestinationen trifft man auf immer mehr verschiedene Nationalitäten. Ob Süd-, Osteuropäer, oder Skandinavier. In der entspannten Urlaubsatmosphäre und beim Après-Ski ist es leichter Sympathien für Fremde zu entwickeln. Vielleicht verirrt sich ja auch der ein oder andere Alpenanrainer nach Spanien oder Polen.

Der Wintersport wird immer internationaler

Fazit

Das alles zeigt, dass die Alpen im Allgemeinen und der Wintertourismus im Speziellen, eng verbunden sind mit der Zukunft Europas. Probleme müssen in den Alpen gemeinsam gelöst und Chancen gemeinsam wahrgenommen werden. Ein Rückfall in die Zeiten nationaler Alleingänge verspricht dagegen keinen Erfolg.

Vor diesem Hintergrund ist der Ausgang der Europawahlen mit gemischten Gefühlen zu betrachten. Auf der einen Seite haben europakritische und populistische Parteien zwar Zulauf erhalten, auf der anderen Seite sind ihre Zugewinne aber auch nicht so groß ausgefallen, wie man befürchten konnte. Die pragmatischen und europafreundlichen Parteien haben, trotz Verluste der großen Volksparteien, noch eine große Mehrheit. Die Liberalen und Grünen konnten ihre Stimmenverluste kompensieren. Somit ist zu erwarten, dass auch weiterhin ein fruchtbarer Ausgleich zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichen Weichenstellungen stattfinden wird.

Mit der Pistenraupe zum Ochsenstall – Rustikales an der Schwarzwaldhochstraße

Pistenplan Unterstmatt

Wer an das Skifahren im Schwarzwald denkt, der denkt zunächst an den Feldberg und an den Südschwarzwald. Hier befinden sich auch die bekannten schwarzwälder Wintersportorte Todtnauberg, Muggenbrunn, Hinterzarten oder Menzenschwand.

Überregional nicht ganz so bekannt sind dagegen die Skilifte im Nordschwarzwald. Das sportliche Zentrum bildet aber zweifelsfrei die Schwarzwaldhochstraße an der Lift an Lift wie an einer Perlenkette aufgereiht ist.

Östlich entlang einer Linie Baden-Baden – Offenburg bildet der Nordschwarzwald mit seiner höchsten Erhebung, der 1163m hohen Hornisgrinde, eine natürliche klimatische Barriere, die für extrem hohe Niederschlagsmengen sorgt. Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt hier 1900 Liter pro Quadratmeter. Dementsprechend schneesicher sind die Skilifte. Trotzdem setzen mittlerweile fast alle Liftbetreiber an der Hochstraße auch auf eine ergänzende technische Beschneiung.

Die Lifte an der Schwarzwaldhochstraße befinden sich hoch über dem Rheintal

Ein Lift, für den ich die lange Anreise aus Bonn in Kauf genommen habe, verfügt jedoch noch nicht über eine Beschneiungsanlage und es würde auch überraschen, wenn dort jemals eine solche installiert würde: Es handelt sich um den Ochsenstalllift am Fuße der Hornisgrinde bei Unterstmatt. Die Betriebstage des Liftes lassen sich, trotz der hohen Schneesicherheit der Region, oftmals an einer Hand abzählen. Für seinen Betrieb ist besonders viel Schnee nötig. Im Gegensatz zu vielen anderen Liften an der Schwarzwaldhochstraße bedient er nämlich keinen sanften Hang mit direktem Straßenzugang, sondern dreht an einem schwer zugänglichen Steilhang direkt unterhalb der Hornisgrinde seine Runden. Hinzu kommt, dass sich der Betrieb und der Aufwand der dafür unternommen wird, oft nur am Wochenende rechnet.

Doch eins nach dem anderen:

Erstmal galt es den richtigen Zeitpunkt für meinen Ausflug zu finden. Ein kaltes aber sonniges Februarwochenende versprach die richtigen Bedingungen. Zuvor hatte es noch gut geschneit und an der Hornisgrinde lagen über einen Meter Schnee. Das bedeutete Vollbetrieb an der Schwarzwaldhochstraße.

Gemeinsam mit einem Freund, den ich auf halbem Weg einsammelte, plante ich, an dem Tag gleich mehrere Lifte anzusteuern. Unsere kleine Safari sollte uns zunächst an die Skilifte am Mehliskopf führen, die nördlichsten und zugleich längsten Lifte an der Hochstraße.

Der Hang am Mehliskopf

Der Hang am Mehliskopf ist zwar lang, bot uns subjektiv aber relativ wenig Abwechslung. Somit wechselten wir schnell zu den eigentlich am selben Berg liegenden Bühlertalliften. Es wäre ein Leichtes die beiden Skihänge miteinander zu verbinden, ohne auch nur einen neuen Lift zu bauen oder einen einzigen Baum zu fällen. Skiwege, die die Lifte miteinander verbinden, existieren bereits zumindest inoffiziell. Nur zu einem gemeinsamen Ticket oder einem gemeinsamen Auftritt konnte man sich bisher nicht durchringen. Wenn man sich anschaut, welcher Aufwand anderswo betrieben wird und zwei Skigebiete miteinander zu verbinden, fängt man als Gast schnell an zu verzweifeln, ob dieser vertanen Möglichkeit eine attraktive Skischaukel zu schaffen.

Die gut besuchten Bühlertallifte

Denn gerade auch die Bühlertallifte bieten interessante Variantenabfahrten durch den Wald und sind dank einer schlagkräftigen Beschneiungsanlage auch auf dem sonnigen Süd-West-Hang schneesicher.

Immer im Blick auf der Piste an den Bühlertalliften ist der mittlerweile aufgelassene Lift am schräg gegenüberliegenden Nordhang. Der Hang sieht aus, als könnte er gleich zur nächsten Saison wieder reaktiviert werden. Realistisch ist dies freilich nicht, aber als Skifahrer darf man wohl noch träumen dürfen, dass irgendwann doch noch jemand kommt, der das Potential erkennt.

Der Blick reicht über den Nordhang bis zur Hornisgrinde

Aber auch unser nächstes Ziel, und mein persönliches Highlight der Tagessafari, ist vom Bühlertallift aus zu erkennen. Wenngleich etwas weiter entfernt als die bisher besuchten Lifte an Mehliskopf und Hundseck, ist die Hornisgrinde mit dem großen SWR Sendeturm leicht auszumachen. Eine kurze Autofahrt auf der winterlichen Schwarzwaldhochstraße genügte und wir fanden uns in Unterstmatt wieder. Diese kleine Häusergruppe ist Ausgangspunkt gleich mehrerer Lifte. Ein kleiner Skizirkus wenn man so will.

Als wir dort ankamen stockte uns jedoch erst mal der Atem. Die Parkplätze waren zum Bersten voll. Wir mussten uns einen Platz direkt am Straßenrand suchen. Dies weckte unsere Befürchtung, dass auch die Pisten dementsprechend voll sein würden. Diese hat sich aber nicht bewahrheitet. Das sonnige Winterwetter hat auch viele Wanderer und Langläufer nach Unterstmatt verschlagen. Mit diesen mussten wir lediglich die gut besuchten Hütten teilen, nicht aber die Lifte. Dort ging es glücklicherweise verhältnismäßig ruhig zur Sache.

Einen Parkplatz konnten wir nur noch an der Bundesstraße ergattern

Das Kerngebiet in Unterstmatt findet man am Muhrkopf der von zwei Liften und einem Babylift erschlossen wird. Hier spielt sich der tägliche Liftbetrieb ab, hier ist am meisten los, hier wird auch am meisten in die Infrastruktur investiert. Zum Beispiel in die Beschneiungsanlage. Zu der abgelaufenen Wintersaison wurde ein neuer Speichersee fertig gestellt. Offensichtlich mit Erfolg; bis weit in den März hinein konnte man am Lift I Skibetrieb anbieten.

Blick auf Unterstmatt und das Höhenhotel

Im Verhältnis zu den anderen Liften an der Hochstraße sind die beiden Lifte am Muhrkopf aber eher kurz und bewältigen nur wenige Höhenmeter. Also beschlossen wir alsbald das Pistenraupentaxi zum Ochsenstalllift zu nehmen- Der Sammelpunkt befindet sich direkt an der Talstation von Lift I. Obwohl der Skipass auch am Ochsenstalllift gültig ist, ist er nicht direkt mit dem restlichen Gebiet verbunden und auch nicht per Auto erreichbar. Entweder läuft man den ca. 1,5 km langen Waldweg selbst, oder man nimmt, wie wir, eben das Pistenraupentaxi. Hierfür mussten wir jedoch zusätzlich 2,50 € zahlen. Ein Betrag der mir angemessen erschien ob des betriebenen Aufwands. Immerhin bemüht man sich hier dem Gast ein möglichst großes Angebot zu machen. Und ein Erlebnis, auf einem Schlitten von einer Pistenraupe zum nächsten Lift gezogen zu werden, ist es allemal. Der Weg vom Ochsenstall zurück zum Ausgangspunkt in Unterstmatt ist ferner abschüssig, so dass man hier gut auf seinen eigenen Ski abfahren kann. Man muss nur etwas auf eine gegebenenfalls entgegenkommende Pistenraupe Acht geben.

Mit der Pistenraupe geht es durch den Wald…
… bis man am schattigen Ochsenstalllift angekommen ist

Der Lift und der Hang am Ochsenstall selbst war die Reise dann aber auch wert. Der alte Diesellift ist zwar ebenfalls sehr kurz, dafür aber sehr sehr steil. Auch über die Förderleistung des Liftes kann man anderswo nur lachen. Aber für diesen selektiven Hang ist sie völlig ausreichend. Viele trauen sich die schwere und zu großen Teilen auch unpräparierte Abfahrt nicht zu. Wenngleich ein kleiner Streifen direkt am Waldrand präpariert wird und es zudem eine Umfahrung durch den Wald gibt, flößt dieser Lift von unten betrachtet schon Respekt ein.

Die Umfahrung am Ochsenstalllift

Wer sich aber überwinden kann, wird mit dem steilen Paradehang belohnt, wie man ihn im Mittelgebirgsraum nicht häufig findet. Außerdem hat man von der Bergstation einen wunderbaren Panoramablick in den Nordschwarzwald. Obwohl man sich hier nur hundert Meter über den meisten anderen Liften befindet, hat man den Eindruck in einer ganz anderen Welt gelandet zu sein.

Der Versuch die Steilheit des Liftes einzufangen

Unten im Wald befindet sich die namensgebende Ochsenstallhütte. Sie ist von der Talstation des Liftes über einen kurzen Fußweg zu erreichen und ist vor allem bei Wanderern und Langläufern beliebt.

Insgesamt ist die ganze Tour zum Ochsenstalllift samt Pistenraupentransport, dem alten Lift und dem steilen unpräparierten Hang ein kultiges Erlebnis. So muss Skifahren damals gewesen sein.

Ein Einzellift und viel ehrenamtliches Engagement

Pistenplan Skilift Mastrils

Die Vereinsmitglieder des kleinen Skiliftes Mastrils, oberhalb des bündnerischen Ortes Landquart, haben in den letzten Monaten keine Kosten und Mühen gescheut, um den Lift fit für die Zukunft zu machen.

Neben der Renovierung der Skihütte und der Anschaffung eines neuen Pistenbullys, der auch bei weniger Schnee eingesetzt werden kann, gibt es auch einen eigenen Pistenplan für das, zugegebenermaßen, recht übersichtliche Skigebiet. Das Skigebiet hat sich vor allem auf einheimische und jugendliche Skifahrer spezialisiert und will daher auch nicht mit den umliegenden großen Skigebieten wie Laax oder Lenzerheide in Konkurrenz treten.

Aber gerade für die Nachwuchsarbeit und als Ausweichgebiet für Skifahrer, die abseits der großen Skigebiete die Ruhe suchen, sind solche Skilifte wichtig und erhaltenswert. Sie tragen zur einer Vielfalt im Skisport bei, die heute leider immer seltener wird. Kleine Lifte müssen aufgrund des Klimawandels und rückläufiger Besucherzahlen zunehmend den Betrieb einstellen. Den engagierten Vereinsmitgliedern gebührt daher ein besonderer Dank.

Der Jenner im Berchtesgadener Land – Ein Nachruf und ein Aufbruch

Nach einer langen Wartezeit über den Sommer, haben in den letzten beiden Wochen viele Skigebiete ihre Lifte und Pisten für die Skifahrer öffnen können. Niedrige Temperaturen und Schneefälle haben dies möglich gemacht.

Für ein Gebiet war diese Wartezeit jedoch länger, als für die anderen. Am Jenner im Berchtesgadener Land konnte man zuletzt im März 2017 Ski fahren. Die Bergbahngesellschaft hat sich daraufhin selbst eine Saison Pause vom Skibetrieb genommen um die alten Seilbahnen komplett zu modernisieren.

In einem, für die bayrischen Alpen, beispiellosen Bauprojekt, sollten gleich drei Bahnen auf einen Streich abgerissen und neu gebaut werden. Für das komplette Vorhaben wurde eine Bauzeit von knapp 1 ½ Jahren veranschlagt. Diesen Winter sollte das komplette Gebiet wieder für Wintersportler geöffnet werden. Darunter auch die lange Gondelbahn, die von Schönau am Königssee bis knapp unterhalb des Jenner führt. Die alte Bahn ließe sich zuletzt beinahe als historisch einordnen, handelte es sich doch um eine wahre Rarität. Die Jennerbahn war bis zu ihrem Abbruch die letzte Seilbahn im Alpenraum die noch mit einer Klemme aus den Pioniertagen der Kuppelklemmentechnik fuhr. Bahnen mit einer solchen Klemme nach dem System VR101 gibt es im Alpenraum nun nicht mehr. Die Sesselbahn auf den Mückenberg ins Tschechien ist jetzt weltweit die letzte Anlage, die auf diesem System betrieben wird.

Die alte Von Roll Jennerbahn

Dabei brachte das System der kuppelbaren Klemmen der aufstrebenden Seilbahnbranche der 50er und 60er Jahre einen enormen Schub. Kuppelbare Bahnen konnten nun deutlich höhere Fahrgeschwindigkeiten erreichen, als die fix an das Seil geklemmten Lift. Damit konnten auch viel mehr Menschen befördert werden. Moderne Skigebiete wären ohne diese Technik, die auch von anderen Herstellern aufgegriffen und stetig verbessert wurde, nicht vorstellbar.

Eine der letzten Bahnen mit dem VR101 Klemmensystem

Auch wenn die alte Jennerbahn bei ihrem Abbruch 2017 nicht mehr mit den originalen „Seitwärtssesseln“ bestückt war und stattdessen mit seitwärts gerichteten Gondeln ersetzt wurden, wäre die Bahn bei ihrem Ende fast als Industriedenkmal zu bezeichnen gewesen. Wenn nicht im Maßstab einer Zeche Zollverein in Essen oder anderer Denkmäler der Schwer- und Montanindustrie, so legte auch die alte Jennerbahn Zeugnis vergangener Kulturgeschichte im Alpenraum ab. Sie erinnerte bis zuletzt an die Geschichte der touristischen Erschließung der Alpen. Diese Erschließung prägt den Alpenraum und dessen Bewohner noch heute ähnlich stark, wie die Bergbauindustrie das Ruhrgebiet geprägt hat.

Jennerbahn im Mittelstationsbereich

Als der Abbruch der alten Bahn absehbar war, wollte ich sie selbst noch einmal erleben und plante für den Januar 2017 eine mehrtägige Skisafari durch Oberbayern. Besonderes Augenmerk wollte ich dabei auf die kleineren und teilweise von Modernisierung oder Aussterben bedrohten Skigebiete legen.

Wenngleich die Uhren in Bayern langsamer ticken als bei den Nachbarn in Österreich, läuft auch in Bayern die Zeit für alte und interessante Seilbahnen allmählich ab. Einige Skigebiete werden modernisiert, wie etwa die Skigebiete am Sudelfeld, Spitzingsee oder eben am Jenner; andere Skigebiete werden über kurz oder lang dem Klimawandel zum Opfer fallen oder der Skibetrieb rechnet sich nicht mehr. Wer in Bayern das rustikale Skierlebnis sucht, wird es immer seltener finden. Stattdessen fallen immer mehr klassische Skigebiete weg oder werden so banalisiert, dass sie auf mich keinen Reiz mehr ausüben.

Übrig bleiben zusehends die Ischgls und die Zillertalarenen dieser Welt.

Schon die erste Etappe meiner Oberbayern-Safari führte mich zum Jenner im Berchtesgadener Land. Eigentlich wollte ich an diesem Tag noch zum Hochfelln bei Bergen im Chiemgau fahren und dort übernachten, aber meine Anreise verzögerte sich und somit konnte ich den kompletten Tag am Jenner verbringen.

Den Hochfelln musste ich sodann leider komplett auslassen, da ich ansonsten mit meiner geplanten Route nicht hinterher gekommen wäre. Ihm muss ich wohl ein anderes mal einen Besuch abstatten.

Die folgenden Tage führten mich an die Kampenwand, den Wendelstein, Lenggries und nach Garmisch-Partenkirchen wo ich noch ein letztes mal mit der alten Eibseeseilbahn zur Zugspitze fahren wollte. Diese wurde mittlerweile ja auch durch einen Neubau ersetzt, der leider schon negative Schlagzeilen machte, als eine Kabine bei einer Übungsfahrt komplett zerstört wurde.

Ich konnte auf meiner Safari leider nicht alle interessanten Gebiete mitnehmen. Die interessantesten sind wahrscheinlich noch offen und verlangen nach einem Besuch in einem der nächsten Winter; sofern sie dann überhaupt noch existieren.

Nun stand ich aber erst mal an der Talstation der altehrwürdigen Jennerbahn. Sie begrüßte mich in einer klassisch alpenländischen Optik. Der Neubau an selber Stelle fällt nicht mehr in diese Kategorie. Nun legt man mehr Wert auf Design, wenn auch nicht unbedingt weniger kitschig. Aber das ist bekanntlich Geschmackssache.

Die Talstation der alten Jennerbahn 

Der Jenner im Winter 2016/2017

Nicht geändert hat sich zum Glück das beeindruckende Panorama. Zwischen Watzmann, Königssee und Hohem Brett liegt das Skigebiet am Jenner in einer besonders sehenswerten und hochalpinen Ecke Bayerns.Egal wie man die Entwicklung am Jenner beurteilt; mit diesem Trumpf können die Bergbahnen immer stechen.

Blick in Richtung Untersberg und Salzburg

Der mächtige Watzmann ist immer im Blick

Auch wenn hier und da sicherlich Pistenkorrekturen stattgefunden haben, können die Baumaßnahmen nichts am eher schwierigen Profil der Pisten ändern. Bis auf die Talabfahrt, sind die Abfahrten am Jenner eher auf der schwierigen Seite anzusiedeln. Überraschend daher auch die Entscheidung des Investors, nicht mehr auf dieses Pferd zu setzen. Stattdessen wurde im Mittelstationsbereich eine neue Sechsersesselbahn für Anfänger errichtet. Das eigentlich Potential des Jenners spielt sich allerdings im Mitterkaselkessel in der oberen Hälfte ab. Hier ist viel Raum um zwischen den lichten Lärchenwäldern auch abseits der präparierten Pisten auf seine Kosten zu kommen.

Lärchenwald im Mitterkaserkessel

Das Hohe Brett

Nicht unterschlagen möchte ich an dieser Stelle auch den berühmten Spinnergraben der einigermaßen parallel zur zweiten Sektion der Jennerbahn vom Gipfel fast senkrecht zur Jennerwiese sticht. Hier wird vom Deutschen Alpenverein jeden Winter der sogenannte Jennerstier ausgetragen. Ein Wettkampf im Skibergsteigen, bei dem der schwierige Spinnergraben bewältigt werden muss. Wer sich das Spektakel selbst einmal anschauen möchte, kann dies am Wochenende vom 15. bis 17. Februar tun.


Die zweite Sektion der Jennerbahn für steil bergauf

Ganz mutige stürzen sich den fast senkrechten Spinnergraben parallel zur Seilbahn hinab

War der Umbau am Jenner also überhaupt nötig? Ist er ökologisch zu vertreten?

Obwohl der historische Wert des Skigebietes, wie eingangs beschrieben, sicherlich nicht zu vernachlässigen war, ist es dennoch fraglich, ob das Skigebiet in diesem Zustand noch eine längere Zukunft gehabt hätte. Die Jennerbahn war bei ihrem Abbruch bereits 65 Jahre alt und hätte nicht mehr viel länger in dieser Form betrieben werden können.

Die alte Jennerbahn war auch bezüglich der Vielzahl der Stützen ein Auslaufmodell. Die neue Jennerbahn benötigt nur einen Bruchteil dessen.

Auch die restlichen Anlagen waren, wenn auch nicht komplett abbruchreif, mit den Anforderungen des heutigen Skisports trotzdem nicht mehr konform. So hätte man den Skibetrieb am Jenner ohne eine Modernisierung wohl mittelfristig auslaufen lassen müssen.

Die alte Mitterkaser Doppelsesselbahn vor dem Hohen Brett und dem Mitterkaser Schlepplift

Diese wird nun auch durch eine Sechsersesselbahn ersetzt

Ein Szenario das so manchem Naturschützer wohl nicht gänzlich unsympathisch gewesen wäre. Vor und während der Bauarbeiten haben sich Naturschützer und die Verantwortlichen der Jennerbahn regelmäßig beharkt.

Bereits kurz nach Beginn der Bauarbeiten im Sommer 2017 gab es erste Unstimmigkeiten über die Ausmaße der Bergstation, welche wesentlich größer werden sollte als die alte. Die Planungen erfassten unter anderem eine 140 qm² Betriebsleiterwohnung. Der Bund Naturschutz hat der Bergbahn in diesem Zusammenhang vorgeworfen, ein nötiges Genehmigungsverfahren umgangen zu haben. Obwohl man sich im Folgenden gütlich einigte, mussten die Bauarbeiten zum ersten mal für einige Wochen ruhen.

Im Winter 2017/2018 hat der Bund Naturschutz sodann einen Eilantrag eingereicht um einen Baustopp zu erwirken, weil die Baufahrzeuge trotz geschlossener Schneedecke weiter die Baustraße befuhren, die zu diesem Zwecke mit Salz gestreut wurde. Da die Baustraße aber durch den Nationalpark Berchtesgaden verläuft und der Einsatz von Streusalz hier nicht gestattet ist, mussten die Bergbahnen die Arbeiten bis zu einer abermaligen Einigung vorläufig ruhen lassen.

Im Winter 2017/2018 musste der Skibetrieb (planmäßig) komplett ausfallen

Als dann im Frühjahr 2018 der Schnee langsam schmolz, versteckte sich für die Bergbahn aber bereits das nächste Problem im Gebüsch. Im wahrsten Sinne des Wortes. Das streng geschützte Birkhuhn hat unterhalb des Jenners eine Heimat gefunden und bereitete sich schon auf die Balz vor. Zwischen März und Anfang Juni darf es dabei nicht gestört werden. Also konnte wieder nicht in dem Tempo gearbeitet werden, wie man sich dies vorgestellt hat.

Den Naturschützern die alleinige Schuld an dieser Situation zu geben, wäre jedoch verfehlt. Die Umstände die zu den jeweiligen Bauverzögerungen führten, mussten den Verantwortlichen bereits von Anfang an klar gewesen sein. Genehmigungsverfahren, Vorschriften für Baumaßnahmen im Nationalpark, das Birkhuhn und Schnee im Winter sind nicht einfach aus heiterem Himmel gefallen. Gut, letzteres mag schon einmal vorgekommen sein. Es stellt sich in der Rückschau aber schon die Frage, ob das Projekt richtig angegangen wurde.

Jenner vor Watzmann

Klar ist, dass den Verantwortlichen Einnahmen entgangen sind, die dem Unternehmen nach den kostspieligen Baumaßnahmen sicherlich gut getan hätten. Nun ist es wie es ist und ein Ende der Arbeiten ist in Sicht.

In dieser Saison ist die Bahn nur bis zur Mittelstation in Betrieb

Im nächsten Winter wird das Skigebiet wieder komplett geöffnet sein und der Jenner zeigt sich von einer völlig neuen Seite. Bei aller Trauer über den Abbruch der alten Bahn darf man auf diesen Neuanfang gespannt sein.

Ist Herbstskilauf den Aufwand noch wert?

Und was der Hambacher Forst mit Schneedepots in Kitzbühel zu tun hat.

Wenn sich Marcel Hirscher und Felix Neureuther nächstes Wochenende den Rettenbachgletscher in Sölden herabstürzen, werden wieder tausende Menschen auf den Berg pilgern und noch mehr werden ihre Stars vor den heimischen Fernsehgeräten anfeuern. Wird es diese Saison jemand schaffen, die Dominanz von Marcel Hirscher zu brechen, oder holt er sich zum achten mal in Folge die große Kristallkugel für den Gesamtweltcup?

Herbstskifahren heißt, sich den wenigen Platz auf der Piste mit vielen Trainingsgruppen teilen zu müssen

Für Sölden, aber auch für die anderen Skigebiete in Tirol oder anderswo, ist dieser Weltcup aber mehr als nur ein sportliches Highlight. Man will Lust auf die kommende Wintersaison machen; die Ausrüster wollen ihre neuesten Skimodelle und Funktionsjacken verkaufen. Jeder, der irgendwie im Wirtschaftszweig des Skitourismus engagiert ist, hofft auf schöne Bilder vom Rettenbachgletscher, um diese Lust auf den Winter zu befeuern. Am besten mit satt Schnee und Sonne zum Rennwochenende

Der Seiterjöchllift in Sölden im Herbst

In den letzten Jahren hat sich diese Hoffnung oft erfüllt. Und auch dieses Jahr könnten die Verantwortlichen Glück haben. Mitte nächster Woche könnte das endlose Hochdruckwetter von einer Kaltfront inklusive Neuschnee aus Norden abgelöst werden. Dann wäre zumindest die kosmetische Grundlage für schöne Bilder aus Sölden gegeben.

Die eigentliche Grundlage wurde jedoch schon in der letzten Saison gelegt. Die Bergbahnen Sölden betreiben hinter den Kulissen nämlich einen erheblichen Aufwand, um dieses alljährliche Spektakel auf die Beine stellen zu können.

Am Karleskogllift mit Blick ins Pitztal

Mit Planen und Schneekanonen gegen das Gletschersterben

Schaut man sich den Rettenbachgletscher heute an, so muss man leider feststellen, dass der Klimawandel hier bereits deutliche Spuren hinterlassen hat. Noch vor zehn Jahren schob sich der mächtige Gletscher in einem spektakulären Gletscherbruch über die Felsnase in der Mitte des Hanges, welche mittlerweile von Sommer zu Sommer immer weiter ausapert. Der Gletscher zerfällt langsam in seine Einzelteile und daran lässt sich kaum etwas ändern.

Ein realistischer Pistenplan des Gletscherskigebietes von Sölden im Herbst

Um zumindest den vom Skibetrieb betroffenen Hang zu sichern, haben die Bergbahnen eine schlagkräftige Beschneiungsanlage am Pistenrand installiert. Darüber hinaus versucht man, den Schnee aus dem Frühjahr mittels Planen zu konservieren, was auch erstaunlich gut funktioniert. Im Herbst wird dieser Schnee dann wieder „ausgepackt“ und mittels Pistenbullys auf der Piste verteilt. Diese Art des „Snowfarmings“ wird mittlerweile auf vielen Gletschern betrieben. Etwa im Kaunertal, auf der Zugspitze, oder im benachbarten Pitztal.

Mit viel Aufwand wird die Trasse des Brunnenkogelliftes am Pittztaler Gletscher aufrecht erhalten

Dort geht man sogar noch einen Schritt weiter und vertraut nicht nur auf die herkömmlichen Schneekanonen, welche erst ab Minusgraden Schnee produzieren können, sondern man hat in einen sogenannten Snowmaker investiert, welcher auch bei hohen Plusgraden Schnee, oder das was man dafür hält, herstellen kann. Der Schnee solcher Anlagen besteht eher aus kleinen Eisplatten, als aus Schneekristallen. Sinn macht die Produktion solchen Schnees natürlich erst ab Herbst, wenn der verteilte Schnee nicht gleich wieder wegschmilzt.

Ein realistischer Pistenplan des Pitztaler Gletschers, wie er sich im Herbst präsentiert

Blick vom Rettenbachgletscher auf den Pitztaler Gletscher

Dennoch zeigt der Aufwand, der hier betrieben wird, wie wichtig die Herbstsaison für einige Skigebiete ist.

Dieser Aufwand wird nun schon seit einigen Jahren betrieben, ohne dass sich jemand ernsthafter daran gerieben hätte. Gerade die Schneedepots die am Ende der Saison angelegt werden und teilweise mit Planen über den Sommer abgedeckt werden, haben ja auch etwas nachhaltiges an sich, wenn man dieses Modewort in dem Zusammenhang verwenden möchte. Der Schnee wird damit quasi recycelt.

Weniger Energieaufwand, als den ganzen Schnee erneut mittels Schneekanonen zu produzieren, will man meinen. Ob diese Rechnung tatsächlich aufgeht, weiß ich nicht. Es ist jedenfalls zu beachten, dass auch der Schnee für solche Schneedepots häufig extra mit Schneekanonen produziert wird. Außerdem muss der Schnee alljährlich einmal zusammengeschoben und ein weiteres mal dann wieder auf der Piste verteilt werden. Dies geschieht mit Pistenbullys, die bei ihrer Arbeit auch wieder einiges an Dieselkraftstoff schlucken.

Kitzbühel treibt es auf die Spitze

All das weil es der Gast so will. Oder weil man glaubt, dass es der Gast so will. Das war auch die Begründung der Kitzbühler Bergbahnen dafür, dass man vergleichbare Aktionen mittlerweile auch auf den Grasbergen von Kitzbühel durchführt. Seit letztem Wochenende kann man dort am Resterkogel auf 1,6 km Pisten Skifahren. Die Meereshöhe dort beträgt nicht einmal 2000m. Die Szenerie dort erinnert schon stark an die „Piefke-Saga“ und dessen ist man sich auch bei den Bergbahnen bewusst. Trotzdem hält man an der Praxis fest. Dies scheint sich sogar auszuzahlen. Zahlreiche Skiclubs und Frühstarter nutzen die Gelegenheit und müssen nun nicht extra auf die Gletscher fahren. So könnte man argumentieren, dass hiermit sogar CO2-Emissionen eingespart wurden, da die Anfahrt für die Skifahrer nicht mehr so lang ist.

Nichtsdestotrotz ist man fast geneigt zu fragen, weshalb Orte wie Kitzbühel eigentlich selbst kräftig daran arbeiten, den Skisport in Verruf zu bringen? Für ein wenig Geld mehr in der Tasche und für die Aufmerksamkeit, derer sie sich jedes Jahr aufs neue Sicher sein können, schrauben sie selbst am Niedergang des Skisports in seiner derzeitigen Form. Der Gegenwind wird merkbarer.

Der Hambacher Forst ist auch nur ein Symbol

Gerade die Deutschen werden in Umweltfragen immer sensibler. Manchmal kann schon ein Symbol ausreichen, um die öffentliche Meinung in eine Richtung ausschlagen zu lassen, mit der vorher niemand gerechnet hat.

Bestes und aktuellstes Beispiel ist der Wirbel um den Hambacher Forst, dem Braunkohletagebau westlich von Köln. Jahrelang haben sich hier nur ein paar wenige Umweltschützer gegen den Braunkohleabbau engagiert, ohne dass eine breitere Öffentlichkeit davon Notiz genommen hätte.

Aber als es nun konkret werden sollte und die restlichen Bäume des verbliebenen Waldes dem Tagebau zum Opfer fallen sollte, hat sich eine breite gesellschaftliche Bewegung gegen die Pläne des Energieversorgers und gegen alle politischen und gerichtlichen Entscheidungen der letzten Jahre aufgestellt. RWE musste im Zuge dessen mit zahlreichen Kündigungen, dem Einbruch des Aktienkurses und zu letzterem noch mit einer negativen gerichtlichen Entscheidung umgehen. Das hatte man sich auch anders vorgestellt.

Das was die Menschen gegen RWE auf die Straßen getrieben hat, ist eigentlich auch nicht mehr als ein Symbol. Der Wald, dessen Schönheit und dessen Wert die Menschen erst jetzt entdeckt zu haben scheinen, steht als Symbol für die Opfer von wirtschaftlichen Interessen, denen er nun weichen muss. Ob dieser Wald gerodet wird, oder nicht, macht eigentlich keinen Unterschied. In Deutschland findet man immer noch zahlreiche Naturschätze und etliche alte Wälder. Die Waldfläche nimmt in Deutschland sogar zu. Auch wird das Weltklima nicht gerettet, wenn RWE auf die Verstromung der dortigen Braunkohle verzichtet. Trotzdem haben die Ereignisse am Hambacher Forst dazu geführt, die Akzeptanz der Kohleverstromung und die Rodung von Wäldern für diesen Zweck, nachhaltig zu zerstören.

Wie sieht die Zukunft des Skisports aus?

Wenn man nicht aufpasst, geht es dem Skisport ähnlich. Schon länger befindet er sich im Fadenkreuz von Umweltschützern. Teilweise zu Recht. Und bald könnte er auch auf eine gesellschaftliche Ächtung zulaufen, die man sich heute noch nicht ausmalen möchte.

Abdeckung mit Planen um den Schnee über den Sommer zu konservieren

Übrigens: Es liegen bereits konkrete Pläne in der Schublade, den Pitztaler Gletscher mit den beiden Gletschern in Sölden zu verbinden und so eine riesige Skischaukel zu schaffen. Man will hier das größte Gletscherskigebiet der Alpen schaffen und seine Marktstellung beim Herbstskilauf festigen. Fraglich, ob man hier die Zeichen der Zeit erkannt hat.

Werden die Skigebiete Sölden und Pitztaler Gletscher bald verbunden?

Vielleicht muss sich aber auch erst in den Köpfen der Skifahrer etwas ändern, um solchen Auswüchsen Einhalt zu gebieten. Mein Plädoyer im letzten Artikel, für den Frühjahrsskilauf, wäre möglicherweise ein Anfang. Dass man wieder dazu kommt, dann Skifahren zu gehen, wenn Schnee liegt und nicht dann, wenn uns von Marketingmenschen eingeredet wird, dass Schnee liegen würde.

Disentis – (Früh-)Sommerski am Vorderrhein

Ja, so kann Skifahren im Mai aussehen.

Zum ersten mal seit 1966 gibt es in NRW eine ganze Woche Pfingstferien. Nun sitze ich also bei schönstem Pfingstwetter in Bonn direkt am Rhein und denke doch ans Skilaufen. Obwohl bereits ein langes Himmelfahrtswochenende hinter den Rheinländern liegt und Temperaturen um die 30°C mehr zum Baden und Sonnen einladen, kann ich nicht unterschlagen, dass zu dieser Zeit 800 km Flussaufwärts am Vorderrhein und an der Rheinquelle noch Skigefahren wird.

Sowohl in Disentis wo der Vorderrhein zusammenläuft, als auch auf der anderen Seite des Oberalppasses der die Rheinquelle markiert, nämlich am Gemsstock bei Andermatt, werden zu Himmelfahrt und Pfingsten noch einmal die Lifte angeworfen. Natürlich ist der Betrieb zu den Frühlingsfeiertagen immer von den jeweiligen Schnee- und Wetterverhältnissen abhängig. Während man in Andermatt dieses Jahr noch Liftbetrieb bis Pfingsten anbieten konnte, ging sich dies für Disentis nicht mehr aus. Der warme Frühsommer forderte Tribut.

Dennoch ein Grund genug für mich, zurück zu blicken auf einen fantastischen Himmelfahrtstag in Disentis im Jahre 2012.

Mein letzter Besuch dort fällt also in die Zeit als ich noch in Konstanz studierte. Ich hatte erst kurz zuvor in Erfahrung gebracht, dass die Bergbahnen Disentis regelmäßig diese Art von Frühjahrsskilauf anbieten. Also beschloss ich, ein Auge auf den Schnee- und Wetterbedingungen zu behalten.

Am Tag vor Himmelfahrt wurde Disentis wurde Disentis mit bis zu 40cm Neuschnee bedacht und die Sonne sollte sich bald zeigen. Gut möglich, dass es einen solchen Tag die ganze Saison noch nicht gab, denn der Winter fiel in diesem Jahr, bis auf die Kältewelle im Februar, eher bescheiden aus. Spätestens mit diesen Prognosen war mir klar, dass ich den Feiertag zum Skifahren nutzen muss.

Sonnenaufgang über dem Bodensee

Und da ich unbedingt mit der ersten Gondel auf den Berg wollte, machte ich mich mit einer kurzen zeitlichen Kulanz, gegen 5 Uhr morgens von Konstanz auf den Weg ins westliche Graubünden. Kurz vor Acht an der Talstation angekommen, war es zunächst noch etwas nebelig. Die letzten Schneewolken hingen noch in den Bergen. Aber der frische Neuschnee glitzerte auch schon gelegentlich durch die aufgelockerten Wolkenfetzen.

Ich musste noch etwas auf die erste Fahrt warten. Mittlerweile hatten sich doch einige Skiverrückte auf dem Parkplatz eingefunden, so dass dann auch die erste Gondel auf den Berg komplett gefüllt wurde. Meter für Meter den sich die Kabine der Bergstation näherte stach immer mehr vom blauen Himmel hervor. Er sollte einen wunderbaren Skitag verheißen.

Bevor es aber auf die Piste gehen konnte, waren zunächst noch einige weitere Sektionen zu bewältigen.

Ein kurzer Fußmarsch war nötig – denn ein aufgebautes Förderband war bereits im Sommerschlaf – um zunächst zur Vierersesselbahn Caischavedra-Gendusas und im Anschluss daran, zur Sesselbahn Gendusas-Lai Alv zu gelangen. Bei den Verhältnissen fiel es allen Skifahrern sichtbar schwer an sich zu halten. Die Zeit im Lift wurde dann zum Großteil damit überbrückt, Selfies und Videos zu schießen um den selben Daheimgebliebenen die Zähne lang zu machen, die einen vorher noch dafür für verrückt erklärt hatten, zu dieser Jahreszeit noch Skifahren zu gehen.

Der Bereich Gendusas

Die zu bewältigende Liftkette verlangt aber tatsächlich Geduld, wenn unter dem Lift die unverspurten Tiefschneehänge locken. Seit Ende der regulären Saison um Ostern herum, haben sich nur ein paar vereinzelte Skitourengeher hierher verirrt. Der Neuschnee der letzten Tage war also nahezu unberührt und wartete auf mich und die Handvoll anderen Skifahrer im Lift.

In der Nacht haben 40cm Neuschnee Disentis in ein Tiefschneeparadies verwandelt

Sobald die Sesselbahn aber die ersten Gäste an der Bergstation ausspuckte, dauerte es auch nicht mehr lang bis die ersten Spuren in den unberührten Hang unterhalb der Sesselbahn gezogen wurden. Dieser stellt normalerweise eine präparierte mittelschwere Piste dar.

Lai Alv

Oberhalb von Lai Alv, das auf einer Höhe von ca. 2500m gewissermaßen den Mittelpunkt des Skigebietes darstellt, gibt es jedoch noch eine weitere Sektion. Der Schlepplift Péz Ault, dessen Bergstation sich auf einer Höhe von 2800m befindet, war am frühen Morgen allerdings noch nicht in Betrieb. So folgte ich also zunächst dem Beispiel der Sportler, die ich schon aus dem Lift beobachten konnte und wagte mich an den Tiefschneehang in Richtung Gendusas, der auf 2170m endet.

Zerfahrener Tiefschneehang mit Blick Richtung Oberalppass.

Da ich trotz der Vorhersagen dann doch nicht mit derart viel Neuschnee gerechnet hatte und zudem davon ausging, dass überall präpariert würde, hatte ich an dem Tag nur meine schmalen Ski dabei. Die Probleme die ich dann mit dem Tiefschnee hatte, lassen sich aber, wenn ich ehrlich bin, auf mangelndes technisches Vermögen meinerseits zurückführen. Ich hatte schon ein paar Probleme mich über „Wasser“ zu halten. Wobei Wasser hier der falsche Ausdruck ist. Trotz der starken Maisonne hielt der Schnee noch lange seinen trockenen, pulvrigen Aggregatzustand und firnte erst am Nachmittag richtig auf.

Als ich nach der ersten fordernden Runde wieder bei Lai Alv ankam, wurde endlich auch der Schlepplift zum Gipfel angeschmissen. Dieser bedient eine leichtere und vor allem präparierte Piste und bot mir somit Gelegenheit etwas zu entspannen und dabei das überwältigende Panorama zu genießen. Vormittags der Nebel im Tal, oben die frisch verschneiten Gipfel und dazwischen die Stauseen am Oberalppass.

Meine Mittagspause legte ich erst sehr spät ein, um noch möglichst lange, möglichst gute Bedingungen auf den Pisten zu erwischen.

Ein Pistenbully geriet im weichen Schnee in Probleme.

Auf der Hütte bei Lai Alv wusste ich dann aber auch, weshalb ich mir morgens noch die Kindersonnenmilch mit Lichtschutzfaktor 50+ ins Gesicht geschmiert hatte und sicherheitshalber noch die farbenfrohe Zinkpaste aus den 80ern mitgenommen habe. In Verbindung mit dem grellen Neuschnee war die Maisonne erbarmungslos zu milchgesichtigen Mitteleuropäern, die sich einredeten, an einem Tag in den Bergen könne nicht viel passieren. Lustig anzusehen war es jedenfalls. Und die Stimmung auf der Hütte war sehr gelöst und freundlich. Da ist man zur Hauptsaison manchmal auch anderes gewohnt, wenn selbst das Essenfassen einem Kampf gleich kommt. Schnitzel – Currywurst – Bolo – Weizen – Zack – Zack – Zack „Ist hier reserviert“? – „Ja, da sitzen mein Vollvisierhelm und mein Rückenprotektor“.

Nach einer ausgiebigen Mittagspause dachte ich langsam daran, den Skitag zu beenden. Ich musste den Weg also wieder zurück über Gendusas und später Caischavedra nehmen.

Auch der Schlusshang nach Caischavedra war noch befahrbar.

Diesmal ersparte ich mir jedoch den schwierigen, und nun auch zerfahrenen direkten Hang unterhalb der Sesselbahn, den ich noch am Morgen befahren hatte. Ich entschied mich für die leichte und vor allem präparierte Außenrumabfahrt. Diese führte auch vorbei am – zu Himmelfahrt und Pfingsten leider geschlossenen – Sektor Dadens und Parlets. Dieser Sektor wird auch noch einmal durch eine Dreiersesselbahn und einen Schlepplift erschlossen. Er befindet sich in einer komplett eigenen Geländekammer. Etwas schade war es schon war es schon, dass der Bereich zu Himmelfahrt nicht dem Skipublikum geöffnet wurde. Aber angesichts der Jahreszeit und dem Gästeaufkommen doch verständlich.

Ins Tal musste man jedoch wieder die Kabinenbahn nehmen.

Bis nach Caischavedra, also zur Bergstation der Zubringer-Pendelbahn auf ca. 1850m konnte man sich mit angeschnallten Ski herabkämpfen. Der Schnee wurde allerdings immer schwerer und aufgeworfener. Als ich wieder unten am Parkplatz ankam, waren beinahe alle restlichen Autos schon wieder verschwunden. Ich hatte den Skitag wirklich voll ausgeschöpft. Er wird mir im Gedächtnis bleiben.

Leerer Parkplatz am Nachmittag.

Fazit zum (Früh-)Sommerskifahren allgemein:

Nun mag man sich also fragen, ob das denn wirklich sein muss. Mitte/Ende Mai Skifahren? Die großen Zeiten des Sommerskilaufes sind doch vorbei. Und überhaupt: Was ist mit dem Klimawandel? Was ist mit den schrecklichen Bildern von weißen Kunstschneebändern in brauner Landschaft? Ist sowas überhaupt vertretbar, oder einfach nur anachronistisch?

Wer seinen Freunden erzählt, er wolle im Mai Skifahren gehen, wird im besten Fall schräg angeschaut. Meist wird man jedoch für verrückt erklärt. Ganz rational gesehen ist der Mai aber sogar die weitaus bessere Zeit zum Skifahren als der Frühwinter.

Meist liegt im Mai jede menge Schnee. Meterhoch. Die Temperaturen sind angenehm und die Sonne lässt sich zuverlässig blicken und verschwindet nicht gleich um 2 Uhr hinter dem nächsten Bergrücken. Hinzu kommt, dass man sich die Pisten nicht mit tausenden anderen Skifahrern teilen muss.

Dagegen steht der Aufwand, der betrieben werden muss, um die Lifte schon Anfang Dezember öffnen zu können, völlig außer Verhältnis. Wenn die Schokonikoläuse in die Supermarktregale geräumt werden, steigt bei der breiten Skifahrermasse gleichsam das Verlangen, endlich wieder auf die Piste zu gehen. Für mich völlig nachvollziehbar nach einem meist viel zu langen Sommer.

Jedoch ist dies im November/Dezember auch die Zeit, zu der im Grenzbereich bei knapp unter 0°C die Schneekanonen angeschmissen werden müssen, um das lohnende Weihnachtsgeschäft abzusichern. Die Schneekanonen verbrauchen in dieser Zeit viel Strom, viel Wasser und doch birgt ihr Betrieb immer das Risiko, dass der ganze Aufwand umsonst gewesen sein könnte, wenn das berühmt berüchtigte Weihnachtstauwetter mal wieder voll durchschlägt.

Solche Auswüchse, die von den Wintersportorten trotz der bekannten Probleme von den Gästen erwartet werden, treiben gleichwohl auch die Preise in die Höhe. Ich habe mich daher mehr und mehr mit dem Gedanken angefreundet, nur noch dann Ski zu fahren, wenn es die natürlichen Schneeverhältnisse ohnehin zulassen würden. Und das ist allen Unkenrufen zum Trotz noch lange genug der Fall, wenn man nicht bereits Anfang Dezember die perfekten Pisten erwartet.

Wie ich selbst erleben durfte, kann man in den Hochlagen auch Mitte Mai noch hervorragend Ski fahren.

Salzberg Goldlauter im Thüringer Wald – Tief im wilden Osten

Eine meiner letzten Touren führte mich Mitte Januar tief in den wilden Osten. Genauer gesagt in den Thüringer Wald.

An der Talstation des Salzbergliftes – Man sieht nur das untere Drittel des Hanges

Der Wintersport hat im Thüringer Wald schon eine lange Tradition, nur sind es mehr die nordischen Disziplinen für die dieser Flecken Deutschland bekannt ist. Von herausragender überregionaler Bedeutung ist selbstverständlich der jährliche Biathlon Weltcup. Bis zu 60.000 Zuschauer pilgern alljährlich nach Oberhof um die Athleten und sich selbst zu feiern. Diese, unter deutschen Coutchkartoffeln, beliebteste aller Wintersportarten rückt die Region regelmäßig in den Blick der Öffentlichkeit. Wenngleich der alpine Bereich mitunter dahinter zurückstehen muss, hat sich gerade um Oberhof herum ein beachtliches Wintersportzentrum mit Loipen, Rodelbahnen, Sprungschanzen und sogar einer Langlaufhalle in der man auch im Sommer auf Schnee langlaufen kann, etabliert.

Skifahrer mussten in der Saison 2017/2018 vertröstet werden. Der geplante Umbau der Doppelsesselbahn am Fallbachhang zu einer fixgeklemmten Vierersesselbahn hat sich so verzögert, dass die alpine Wintersaison in Oberhof ins Wasser gefallen ist. Für ambitioniertere Skifahrer stellt dies gleichwohl keinen großen Verlust dar. Auch wenn er das Wintersportangebot Oberhofs abrundet, stellt er keine große Herausforderung dar. Die Entscheidung eine fixgeklemmte Doppelsesselbahn durch eine ebenfalls fixgeklemmte Vierersesselbahn zu ersetzen muss indes auch nicht weiter kommentiert werden. So kam dieser Hang für einen Besuch schon von vorneherein nicht in Frage.

Um 5 Uhr in der Frühe sattelte ich Bonn meinen treuen Begleiter mit den 69 PS auf, um der Sonne entgegen zu reiten. Dieser Winter war bis dahin zwar nicht sehr kalt, aber in den Höhenlagen der Mittelgebirge recht schneereich. Und auf viel Naturschnee ist der Lift den ich nun ansteuerte angewiesen. Der Salzberglift im suhler Ortsteil Goldlauter ist nämlich das exakte Gegenteil des erwähnten Fallbachhanges in Oberhof. Steil, rustikal, einzigartig.

380 Km Anfahrt für einen einzigen Skilift – Ökobilanz negativ (aber das ficht den Outlaw nicht an)

Aber ehe ich meine 69 Pferdestärken an dem Holzbalken der Talstation anbinden konnte, hatte ich noch vier Stunden Fahrt vor mir. 380 Kilometer für einen Skilift. An dieser Stelle hätte ich Verständnis dafür, wenn mich der ein oder andere für Verrückt erklärt. Rechtfertigend sei aber darauf hingewiesen, dass ich auf dem Rückweg noch einen Abstecher zu einem anderen interessanten Lift in der Rhön gemacht habe, dem an dieser Stelle ebenfalls bald ein eigener Beitrag gewidmet wird.

Die längste Strecke meiner Anreise verlief weitgehend schneefrei. Lediglich in den Hochlagen der Rhön und dann erst die letzten Kilometer vor Suhl hat sich der Winter gezeigt. Dafür dann aber richtig.

Wie so viele andere Orte der neuen Bundesländer hat Suhl seit der Wende einen nicht unerheblichen Teil seiner Einwohnerschaft verloren. Lebten hier vor der Wende noch über 50.000 Menschen, sind es heute nur noch ca. 35.000. Der Ort der im Sommer auch für sein Waffenmuseum bekannt ist, wird leider noch von einer Reihe DDR-typischer Plattenbauten dominiert, die sich so an die Hanglagen der Stadt schmiegen, dass sie nahezu immer im Blick des Betrachters verbleiben. Diese Bausünden beeinträchtigen ein wenig das sonst beschauliche Bild, welches die Stadt abgibt. Auf der anderen Seite sind sie aber auch Zeugen der Vergangenheit und somit Teil der Geschichte der Stadt.

Auf dem Weg zum Skilift am Salzberg lässt man diese allerdings hinter sich und man durchfährt den dörflichen Ortsteil Goldlauter. Der Schnee an den Straßenrändern türmte sich immer höher und die Straßen wurden enger und enger je näher ich meinem Ziel kam. Irgendwann begann ich mir sorgen zu machen, ob ich es mit meinem Gefährt überhaupt schaffen würde.

So stand ich Greenhorn mit meinem Fiat irgendwann vor einer schier unüberwindbaren weißen Mauer, die irgendwo am Horizont in dem Waldstück mündete, das die letzten 500 Meter vor dem Lift markiert. Ich stieg aus und bat einen schneeschippenden Gringo um Rat. Auf meine Frage, ob es denn die restlichen Meter so steil weiter gehen würde, antwortete er mir nur, dass es mit Winterreifen und ein wenig Anlauf schon schaffen würde. Bis jetzt sei noch (fast) jeder da hoch gekommen. Also nahm ich all meinen Mut zusammen, drückte das Gaspedal ganz durch und fand mich zwei Minuten später tatsächlich am Parkplatz des Liftes wieder.

Dennoch sind Winterreifen bei der schmalen und engen Anfahrt eine dringende Empfehlung. Noch kriminellere Anfahrten habe ich nur in den belgischen Ardennen erlebt. Dazu dann auch irgendwann mehr.

Vom Volkseigenen Betrieb zum Alpine Skiclub

Der Salzberglift befindet sich in einem engen Talkessel westlich des Großen Eisenberges und nicht weit entfernt von der höchsten Erhebung des Thüringer Waldes, dem 983 Meter hohen Großen Beerberges.

Er wird betrieben vom 1991 gegründeten Alpine Skiclub Goldlauter und finanziert sich wohl zum Großteil aus den Mitgliedsbeiträgen der Mitglieder und Spenden. Somit ist es dem ehrenamtlichen Engagement der Mitglieder zu verdanken, dass wir heute noch an einem solchen Lift Skilaufen können. Der verkauf von Liftkarten dürfte für einen kostendeckenden Betrieb jedenfalls nicht ausreichend sein. Diese Einschätzung bestätigte mir auch eines der vielen freundlichen Skiclub Mitglieder mit dem ich während der Schleppliftfahrt ins Gespräch kam.

Vor der Wende wurde der Lift noch im Rahmen eines volkseigenen Betriebes geführt. So ist die Anlage auch aus technischer Sicht keinem der großen Hersteller zuzuordnen, den man aus den Skigebieten der Alpen oder der anderen westlichen Mittelgebirge kennt. Der Lift ist ein lupenreiner DDR-Eigenbau. Während der Dieselmotor durch eine Öffnung außerhalb des Lifthauses seine Arbeit verrichtet, sind die Stützen des Liftes in einem freundlichen blau gehalten und die Anker mit gemütlichen Holzbalken versehen.

An der Bergstation des Liftes muss man ein wenig aufpassen, den Bügel nicht zu früh los zu lassen

Der Lift hat eine Länge von gut 900 Metern und überwindet auf dieser Strecke etwa 230 Höhenmeter. Damit ist er der längste und steilste Thüringens. Dementsprechend schlägt auch eine verhältnismäßig lange Liftfahrt zu Buche. Mit einer Hochgeschwindigkeitsanlage neueren Zuschnitts kann sich der Lift ohnehin nicht messen. So bleibt während der Fahrt dann auch genug Zeit um sich den Hang noch einmal genauer anzuschauen und gegebenenfalls Zweifel zu entwickeln.

Bei meinem Besuch ist am Tag zuvor viel Neuschnee gefallen; man hatte die Piste das letzte mal vor zwei Tagen grundpräpariert. Also lagen bei kalten Temperaturen gute 30 Zentimeter frischer, trockener Pulverschnee auf ca. 50 Zentimeter komprimiertem Altschnee. Besser konnte es gar nicht sein. Der Haupthang ist grob in vier Abschnitte einzuteilen. Direkt nach dem Ausstieg in zirka 830 Meter höhe muss man zunächst einige Meter anschieben ehe man zum eigentlich Einstieg in die Piste gelangt. Von dort aus offenbart sich dem eher mittelmäßig versierten Skifahrer wohl das erste mal, dass die kommende Abfahrt vielleicht doch mit den ein oder anderen Schwierigkeiten verbunden sein könnte. Am Starthang geht es nämlich direkt einmal steil in einer geraden Linie runter auf halbe Höhe. Hinzu kam an jenem Tag eben der Tiefschnee, der im weiteren Tagesverlauf zu einer gewissen Buckelbildung beitrug.

Am Gipfel lag viel frischer Neuschnee

Hat man diesen Starthang hinter sich gelassen, kann man sich erstmal etwas Zeit zum Verschnaufen nehmen. Auf halber Höhe des Liftes wird es nämlich zunächst ein bisschen sanfter. Am Seitenrand deuten ein kleines Lifthäuschen und eine Stahlkonstruktion an, dass der Lift zumindest in der Vergangenheit über eine Zwischenstation verfügt haben könnte. Entweder um sich den oberen steilen Abschnitt zu sparen, oder etwaigem Schneemangel im Tal auszuweichen. Wie schon einmal erwähnt, war das am Tag meines Besuches kein Problem. Ein Local mit dem ich mich im Lift unterhielt, schätzte die Schneelage am Gipfel auf einen guten Meter.

Der Mittelteil des Hanges ist etwas flacher

Ein ehemaliger Zwischenaus- oder -einstieg?

Freeride Mekka des Thüringer Waldes

Gerade die Locals nutzten die überaus gute Schneelage auch dafür, Abstecher in die verschneiten Wälder links und rechts des Haupthanges zu unternehmen.

Ohnehin scheint Goldlauter das Freeride Mekka des Thüringer Waldes zu sein. Hier begegnete ich immer wieder Telemarkern und Locals mit Fatski die in die teils dichten und teils lichten Wälder abbogen. So erklärte mir einer von ihnen auch die zahlreichen Varianten die man einschlagen kann. Ich habe nur die zwei wesentlichen Routen in meinen Plan eingetragen und selbst nur ein kurzes Stück links des Starthanges ausprobiert. Da ich nicht mit solch genialen Verhältnissen rechnete, nahm ich meine alten „Steinski“ mit.

Pistenplan Salzberg – Goldlauter

Bei den Routen sei jedoch darauf hingewiesen, dass es sich dabei keinesfalls um offizielle Pisten handelt. Ohne Ortskenntnisse und vor allem exzellente Skibeherrschung ist von einem Ausritt in die Wälder auf jeden Fall abzuraten.

Wer es gemütlicher mag, auf den wartet an der Talstation natürlich ein Saloon. Auch wenn es die Siedler hier Liftbaude nennen, lädt sie gleichwohl zum Verweilen Essen und Trinken ein. In der Nähe der Liftbaude steht auch die einzige Schneekanone des Hanges. Ausweislich der Homepage (www.skilift-goldlauter.de) wurde die Beschneiungsanlage für den Skihang 2001 genehmigt. Ob die Anlage aber tatsächlich feuert wenn es die Temperaturen zulassen, da war ich mir nicht sicher, so einsam wie die Kanone am Pistenrand herumstand. Für die Wasserversorgung würde jedenfalls die Lange Lauter herhalten; der Bach der sich hier durch das enge Tal schlängelt.

Die einsame Schneekanone

Dieses Tal war vor noch gar nicht all zu langer Zeit Teil von Gedankenspielen, den Salzberglift mit dem Lift in Schmiedefeld auf der östlichen Seite des Großen Eisenberges zu einer Skischaukel zu verbinden. Wenngleich Thüringen damit auf einen Schlag ein ausgewachsenes Skigebiet erhalten würde, bin ich nicht böse darum, dass diese Pläne eingeschlafen zu sein scheinen. Mit dieser Skischaukel würden zwei unvereinbare Welten aufeinanderprallen. Auf der einen Seite Schmiedefeld mit seinen vielen Anfängern die an dem leichten Lift optimale Bedingungen vorfinden und auf der anderen Seite Goldlauter mit seinen ambitionierteren Skifahrern.

Es bleibt zu hoffen, dass uns dieses skifahrerische Kleinod in dieser Form noch lange erhalten bleibt. Wenn die Vereinsmitglieder weiterhin so engagiert bei der Sache sind, mache ich mir da aber wenig Sorgen.

Pfänder – Schicksalsberg der Skiurlauber

Pfänder Pistenplan

Obwohl ich mich in diesem Blog ausdrücklich mit den unbekannten Wintersportorten beschäftigen möchte, ist der Name Pfänder wahrscheinlich jeden Wintersportler aus dem süddeutschen Raum ein Begriff. Die meisten verbinden mit diesem Namen wohl eher negative Assoziationen. Auf dem Weg in die großen vorarlberger oder tiroler Skigebiete, haben schon viele Wintersportler kostbare Urlaubszeit unter oder vor diesem Berg verbracht, der dem Tunnel seinen Namen verleiht.
Tag für Tag durchfahren bis zu 40.000 Fahrzeuge den Pfändertunnel. Auch wenn die ganz großen Staus, seit der Eröffnung der zweiten Röhre im Jahre 2012 der Vergangenheit angehören, hat der Pfändertunnel zumindest in den Köpfen der Touristen nichts an Schrecken verloren.
Den wenigsten Fahrzeuglenkern dürfte bei der Durchfahrt bewusst sein, dass sich bei winterlichen Verhältnissen über ihren Köpfen ganz andere Szenen abspielen. Während sich unten die Autos der Touristen und der Pendler durch den Tunnel schieben, genießen andere, zu diesem Zeitpunkt vermutlich glücklichere Menschen, auf den Pisten am Pfänder die grandiose Aussicht auf den Bodensee und den Bregenzer Wald.

Zugestanden sei, dass der Pfänder im Sommer, als Wander- und Aussichtsberg, vielleicht doch einen gewissen Bekanntheitsgrad besitzt. Als Wintersportberg haben ihn dennoch nur wenige auf der Rechnung.
Zu Unrecht wie ich meine. Die winterlichen Qualitäten des Berges lernte ich selbst aber auch erst aus reiner Verlegenheit kennen. Mein Besuch am Pfänder fiel in die Zeit, als ich in Konstanz am anderen Ende des Bodensees studierte. Wie so oft schlief ich etwas länger, ehe ich, nach einem Blick aus dem Fenster auf die verschneiten Straßen, spontan beschloss, den Tag doch noch sinnvoll zu nutzen. Für die großen Skigebiete im Allgäu oder Graubünden war es schon zu spät. Ich hätte mindestens zwei Stunden gebraucht um dort anzukommen. Also waren Alternativen gefragt.
Ich erinnerte mich an einen alten zerfledderten Skiatas aus den Siebzigern, den ich auf dem Dachboden meiner Eltern gefunden habe. Dort waren auf einer Übersichtskarte des Bregenzerwaldes auch einige Lifte auf dem Pfänder verzeichnet. Das müsste ich in einer vertretbaren Zeit schaffen. Also prüfte ich auf der Website des Pfänders, ob die Lifte überhaupt noch stehen und in Betrieb sind. Meine Erkenntnis: Viel schien sich seit dem nicht verändert zu haben. Also war die Sache klar.
Der Pfänder sollte seine Chance bekommen. Der Routenplaner spuckte mir eine Fahrzeit von 45 Minuten aus.
Sodann sattelte ich meinen italienischen Sportwagen (der heute übrigens immer noch zuverlässig seine Dienste verrichtet) und setzte mich in Bewegung.

Mein aufgesattelter Fiat 500 vor Abfahrt in der konstanzer Fußgängerzone

Ich habe es tatsächlich in der versprochenen Dreiviertelstunde geschafft und stand nun gegen 10 Uhr an der Talstation, gespannt, was mich erwarten würde.

Von der Festspielstadt Bregenz aus, überwindet die Kabinenbahn gute 600 Höhenmeter zum Gipfel des 1064 Meter hohen Pfänders. Wenn man dann wie ich mit Wintersportgerät an der Talstation steht, muss man gegebenenfalls damit rechnen, einige Blicke auf sich zu ziehen. Denn auch bei guter Schneelage tragen die meisten Gäste eher Wander-, als Skischuhe. So muss man sich als Skifahrer aber von Wartezeiten oder einer vollen Kabine denn auch nicht beunruhigen lassen. Die Pisten sind in der Regel alles andere als überlaufen. Das schlimmste was einem passieren kann, ist, das nächste Fotomotiv einer asiatischen Touristengruppe zu werden.
Während man auf die nächste Kabine wartet, kommt man nicht umhin, mit der langen Geschichte dieser Seilbahn konfrontiert zu werden. Neben den historischen Fotos und Plakaten, legt schon die Talstation selbst Zeugnis davon ab. Die Bahn wurde schon 1927 als eine der ersten Seilbahnen Österreichs errichtet und zuletzt 1994 auf den neuesten technischen Stand gebracht.

Das altehrwürdige Talstationsgebäude der Pfänderbahn

Wenn dann die Kabine in die Talstation einfährt und man zu den glücklichen 80 Personen zählt, die nun auf den Berg befördert werden, empfiehlt es sich, einen Platz an der talseitigen Scheibe zu suchen. Dort wird man sicherlich mit dem besten Ausblick belohnt. Als ich während der Bergfahrt so auf Bregenz und den Bodensee herabblickte, wähnte ich mich beinahe schon an einem norwegischen Fjord. Nun war ich leider noch nie an einem norwegischen Fjord und Kenner mögen einwenden, dass die Uferlinie der Originale wohl etwas schroffer und beeindruckender sind; ich bildete mir aber trotzdem ein, irgendwo nördlich des 59° Breitengrades zu verweilen.

Fjordfeeling am Bodensee

Wer nicht das Glück hat, dieses Panorama schon bei der Auffahrt genießen zu können, weil er möglicherweise nur noch einen Platz am anderen Ende der Kabine ergattern konnte, der könnte aber möglicherweise dennoch auf seine Kosten kommen. Nämlich dann, wenn er sich für Architektur interessiert.
Am westlich ausgerichteten Fuße des Pfänders schmiegen sich große und prächtige Villen aller architektonischen Stilrichtungen an den Hang. So kann man, während man über den Wert dieser Immobilien rätselt, ihren Besitzern gleichzeitig in den Vorgarten schauen; was den Wert dieser möglicherweise gleich wieder reduziert. Aber weshalb sollte ich mir solche Gedanken machen? Ich war zum Skifahren hier.

Die Seilbahn wartet im oberen Abschnitt mit einer kleinen Besonderheit auf. Bei der letzten Stütze vor der Bergstation handelt es sich um eine Portalstütze, die man sonst nur von älteren Schleppliften kennt. Hier natürlich etwas größer dimensioniert.

Die seltene Portalstütze im dichten Schneetreiben

Die Bergstation selbst befindet sich wenige Meter unterhalb des Gipfels. Ich stieg aus, schaute mich um, identifizierte einige Alpengipfel die man bei guter Sicht auch schon von Konstanz aus sehen konnte, machte einige Fotos und schnallte mir die Ski an die Füße.

Auch das Bregenzerwald-Panorama kann beeindrucken

Bei aller Liebe zum Drumherum, wollte ich dann doch endlich die ersten Schwünge in den Schnee ziehen.
Dafür musste ich/muss man, zunächst am Rande des Tierparkes herab zu den Dohleliften fahren. Der Tierpark ist auch im Winter geöffnet, was den Skifahrer als solchen aber erst einmal nicht stört. Da es aber keinen Lift zurück gibt, fragt man sich hier unweigerlich, wie man später wieder zurück zur Bergstation gelangen soll.

Die Gipfelaufbauten des Pfänders

Es gibt zwei Möglichkeiten, von denen mir eine deutlich angenehmer erschien. Entweder man läuft das kurze Stück hoch, oder man nimmt, vorausgesetzt die Schneeverhältnisse lassen es zu, gleich die Talabfahrt bis Bregenz um sich sodann wieder mit der Seilbahn bequem zum höchsten Punkt befördern zu lassen.
Die Dohlelifte selbst, die auch den Rand des eigentlichen Skigebietes markieren, stellen für den geübten Skifahrer keine große Herausforderung dar. Sie dienen vor allem als Zubringer zum Maldonalift und zur Talabfahrt. Für Beginner sind die kurzen Dohlelifte trotzdem gerade Recht. Zudem befindet sich in unmittelbarer Nähe zu dem gedoppeltem Lift auch die Dohlehütte und die stark frequentierte Rodelmulde. Hier trifft sich zur Mittagszeit die ganze Familie. Ob Skifahrer, Rodler oder einfach nur Winterwanderer. Ein jeder muss irgendwann hier vorbei und so nutzen viele die urige Hütte für eine Pause.

Die Dohlelifte vor hochalpiner Kulisse

Ich ließ die Hütte bei meinem Besuch zunächst trotzdem links liegen, wollte ich doch erst einmal die Piste am Maldonalift unter die Ski nehmen. Vor allem um mich zu vergewissern, dass man von hier aus tatsächlich auch den See sehen kann. Das war ja einer der wesentlichen Gründe, weshalb ich mir von dem doch eher kleine Gebiet viel versprach.
Ich wurde nicht enttäuscht. Schon nach einer kleinen Kurve um den Wald, kommt der beeindruckende Bodensee in Sichtweite.

Wie ich schon beschrieb, wähnt man sich auch hier an einem norwegischen Fjord und glaubt, hinter der nächsten Kuppe in den See springen zu können, wenn man nur genügend Anlauf nimmt. Das Erlebnis auf dieser Abfahrt ist wirklich einmalig. Aber auch wen dieser atemberaubende Anblick kalt lassen sollte, wird auf der Abfahrt am Maldonalift Freude haben. Die angenehm geneigte Piste ist interessant trassiert und ist dazu verhältnismäßig lang. Der Sektor am Maldonalift stellt damit das Kernskigebiet am Pfänder dar.

Der obere Teil der Maldonaabfahrt

Auf halber Höhe der Abfahrt kommen schon wieder die ersten Häuser in Sichtweite. Dabei handelt es sich aber mitnichten um Bregenz, sondern um eine eigene kleine Siedlung direkt am Berg. Wo man von der großen Seilbahn aus nur in die Vorgärten der Hausbesitzer schauen kann, fährt man am Maldonalift direkt quer durch eben diese. Auch eine Erfahrung die ich in dieser Art noch nicht all zu häufig machen durfte. Dementsprechend gemütlich und privat ist auch das Flair dieser Ecke. Den Trubel und die Hektik der großen Skigebiete wird man hier nicht finden.

Die Talstation des Maldonaliftes vor dem Bodensee

Der Talstation des Maldonaliftes, die sich unauffällig an das untere Ende der Siedlung anschließt, sieht man an, dass sie in der Vergangenheit noch einer anderen Konstruktion Obdach gegeben haben muss. Zumindest in den Sommermonaten drehte hier auch ein Sessellift seine Runden. Nun wird der Lift nur noch im Winter als Schlepplift genutzt.
Durch ein längeres Waldstück wird man wieder nach oben gezogen. Von dort nahm ich dann die Talabfahrt in Angriff. Diese wird je nach Schneesituation präpariert, oder als Route ausgesteckt. Da bei meinem Besuch genug Schnee lag, war sie präpariert.
Der oberste Abschnitt der Abfahrt hat dabei allerdings eher noch einen Fortswegcharakter und es geht sanft dahin, ehe die Piste einen Linksknick macht und über einige interessante Hänge und Schneisen geradewegs auf Bregenz und den Bodensee zuläuft. Da sich sowohl Skifahrer, als auch Rodler die Piste teilen, ist Vorsicht geboten, will man keinen Zusammenstoß riskieren.

Die Talabfahrt führt direkt auf den Bodensee zu

Erwähnte ich eingangs, dass den wenigsten Autofahrern bewusst sein dürfte, dass sich über ihren Köpfen ein kleiner Skizirkus abspielt, gilt dies wohl auch umgekehrt. Von der atemberaubenden Aussicht auf das schwäbische Meer abgelenkt, wird man erst wieder auf dem unteren Abschnitt der Talabfahrt darüber gewahr, dass sich ein paar hundert Meter tiefer, LKW-Fahrer Stoßstange an Stoßstange durch den Pfändertunnel schieben und ungeduldige Kinder gegen die Rücksitze ihrer Eltern treten. So steht am Pistenrand ein Bauwerk, dass eigentlich nicht so in die Bergwelt passen will. Es handelt sich dabei aber um einen Lüftungsschacht des über sechs Kilometer langen Tunnels.

Bleibt noch die Frage: Wie sieht es mit der Schneesicherheit aus? Die Höhenlage zwischen 400 und 1000 Meter verspricht, gerade in Zeiten den Klimawandels, natürlich keine langfristig planbaren Verhältnisse. Auch über Schneekanonen verfügt man am Pfänder nicht. Hinzu kommt die Lage direkt am Bodensee. Hier ist es meist ein bis zwei Grad wärmer als in den umliegenden Regionen gleicher Höhenlage.
Dieser vermeintliche Lagenachteil schlägt bei einigen Wetterlagen jedoch in einen veritablen Vorteil um. Für Niederschläge aus nordwestlicher Richtung stellt der Pfänder das erste wirkliche Hindernis dar, was dazu führt, dass bei entsprechend kalten Temperaturen auch viel Schnee am Pfänder abgeladen wird. Bei solchen Wetterlagen können sich die gemessenen Schneemengen der Ortschaften am Bodensee erheblich voneinander unterscheiden. Wenn in Konstanz oder Friedrichshafen am nordwestlichen Bodenseeufer 10 Zentimeter Schnee gefallen sind, kann sich Bregenz direkt am Fuße des Pfänders schon mal über satte 40 Zentimeter freuen. Direkt am Berg dann dementsprechend mehr.
Spätestens seit Jörg Kachelmann wissen wir auch, dass der sogenannte „Lake-Effekt“ dazu führen kann, dass sich aufsteigendes warmes Wasser des Bodensees am Pfänder als Schnee niederschlägt, wenn rundherum von Niederschlägen eigentlich keine Spur ist. Dass dieser Effekt an den Great Lakes in Nordamerika etwas beeindruckender ausfallen mag, sei einmal dahingestellt.
Langfristige Planungen eines Skitages am Pfänder sollte man also vermeiden, wenn man nicht auf eine, zweifelsohne schöne, Wanderpartie beschränkt sein möchte. Jedoch lohnt es sich mitunter umso mehr, immer einen Blick auf die aktuellen Verhältnisse zu behalten um diese dann kurzfristig für sich nutzen zu können.
Gerade Urlauber die sich auf dem Weg in die großen Skigebiete befinden und ohnehin am Pfänder vorbei kommen, könnten bei einem Abstecher zum Pfänder mit einem schönen Skierlebnis belohnt werden.